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Beziehung in der Schwangerschaft – Wie kann ich mit den Veränderungen umgehen?

Beziehung in der Schwangerschaft. Eine Schwangerschaft ist eine Zeit der großen Veränderungen. Dein Körper, deine Emotionen und auch deine Beziehungen befinden sich in einem Wandel. Es ist ganz normal, dass beide Elternteile eine Vielzahl von Emotionen durchleben – positive und negative. Der emotionale Zustand von dir und deinem Partner beeinflusst schon jetzt die mentale und körperliche Gesundheit eures Kindes. Es ist also nicht nur wichtig, dass du dich gut ernährst und genug bewegst. Auch dein seelisches Wohl sollte im Vordergrund stehen. Sehe deine Schwangerschaft als Gelegenheit, alte Wunden zu heilen und deine Kommunikationsfähigkeiten auszubauen.

Ambivalente Gefühle – Beziehung in der Schwangerschaft

Fast jeder, mit dem du die Neuigkeit teilst, freut sich und versichert dir, welch ein Wunder es ist, ein Kind zu bekommen. Wenn du dann mal negative Gedanken hast, fühlst du dich fast schuldig. Sollte dich dieses Geschenk nicht für neun Monate in Euphorie versetzten? Ist nicht jede Schwangere endlos glücklich? Ich kann dich beruhigen. Es ist ganz normal, dass du Zweifel hast und nicht andauernd vor Freude in die Luft springst. Zu Dankbarkeit und Vorfreude mischen sich vielleicht auch Gefühle der Überforderung, Hilflosigkeit und Zukunftsangst. Solch ambivalente Gefühle sind ganz normal und machen uns Menschen zu dem, was wir sind.

Auch der Vater kann von Geldsorgen, dem veränderten Sexleben und seiner neuen Rolle geplagt werden. Sprecht über eure Sorgen und negativen Gedanken ohne Wertung. Leider ist es in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema, über Schwangerschaftsdepression und die dunkleren Phasen dieses neuen Lebensabschnitts zu sprechen. Dein Partner und du könnt gemeinsam diesen Weg gehen und euch dabei unterstützen. Macht euch gegenseitig klar, dass euch solche Gedanken zu keinen schlechten Eltern machen. Hört einander zu und zeigt Verständnis, dann kann auch eure Beziehung in der Schwangerschaft wachsen.

Bewusste Kommunikation – Beziehung in der Schwangerschaft

Je besser du deine Bedürfnisse erfüllen kannst, desto besser fühlst du dich. Wenn es um Bedürfnisse in Beziehungen geht, ist Kommunikation der wichtigste Schlüssel zur Bedürfniserfüllung.

Um deutlich auszudrücken, was zu möchtest, gibt es eine ganz einfache Strategie. Wann immer du dich in der Situation befindest, in der du Wut aufsteigen spürst, dich nicht verstanden fühlst oder du dich nicht ernst genommen fühlst, stell dir folgende Fragen:

Was löst meine Emotionen aus?

Häufig erinnern uns jetzige Situationen an Umstände von früher, die möglichweise gar nichts mit der jetzigen Lage oder involvierten Person zu tun hat. Diese Erinnerungen bringen Emotionen und Gefühle zurück. Versuche herauszufinden, warum dich die jetzige Situation aufregt und ob vielleicht eine alte, nicht zusammenhängende Begebenheit damit in Verbindung steht. Es ist sehr wichtig hier zwischen Beobachtungen und Interpretationen zu unterscheiden. Möglicherweise ist dein Partner nicht schweigsam, weil er verärgert ist, möglicherweise ist er nur im Gedanken versunken. Sobald wir die Situation mit einer Bewertung belegen und den anderen daraufhin angreifen, können wir nicht erwarten eine liebevolle und verständnisvolle Antwort zu erhalten. Bevor wir reagierten, könnten wir ganz einfach nachfragen: „Schatz, warum bist du so schweigsam?“.

Welche Emotionen steigen in mir auf?

Leider lernen wir in der Schule und auch im späteren Leben nirgends, wie wir unsere Gefühle passend ausdrücken können. Uns fehlen einfach die Wörter. Wenn du eine Emotion aufsteigen fühlst, schaue genau hin und versuche, das Gefühl möglichst genau zu benennen. Achte dabei darauf, dass du dich nicht in die Opferrolle begibst. Sagst du beispielsweise: „Ich fühle mich vernachlässigt, abgelehnt, nicht wertgeschätzt, manipuliert…“ schiebst du die Schuld für deine Gefühle einer anderen Person in die Schuhe. Übernimm Verantwortung für deine Emotionen und Gefühle. Keiner wird gerne beschuldigt, den anderen unglücklich zu machen. Versende daher Worte wie „Ich fühle mich ängstlich, eifersüchtig, irritiert, müde, frustriert …“

Hier eine Liste an hilfreichen Wörter: ängstlich, bitter, verwirrt, entmutigt, leer, frustriert, schuldig, hilflos, unsichtbar, eifersüchtig, einsam, pessimistisch, leid, müde, wütend, angeekelt, stur, übel, aufgebracht, betrübt, ruhelos, zurückgezogen.

Was möchte ich haben, bekomme es aber nicht?

Wenn negative Gefühle in dir aufsteigen, geschieht das, weil deine Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Wenn du deine Bedürfnisse nicht klar aussprichst, ist es sehr schwer für andere, diese zu erfüllen.

Laut Ayurveda haben wir vier grundsätzliche Bedürfnisse: Materieller Komfort (Artha), Liebe und Verbundenheit (Kama), Sinn im Leben (Dharma) und Spirituelles Erwachen oder Befreiung (Moksha). Wenn du eine negative Emotion aufsteigen fühlst, wird eines dieser Bedürfnisse nicht erfüllt. Wenn du dich in einer emotionellen Achterbahnfahrt befindest, versuche herauszufinden, welches Bedürfnis genau dahinter steht, und wie du es erfüllt haben möchtest.

Was bekomme ich, wenn meine Bedürfnisse nicht erfüllt werden?

Wenn wir in einer emotional geladenen Situation sind, findet normalterweise in uns eine andere Konversation auf einer tieferen Ebene statt. Im Schamanismus nennt man diese Ebene „Schatten“. Dieser Schatten kann starke Emotionen hervorrufen, weil unsere tieferen Bedürfnisse in Konflikt mit den oberflächlichen Bedürfnissen stehen. Möglichweise ist unser Schatten überzeugt, dass eine gute Beziehung Konflikte benötigt, um am Leben gehalten zu werden. Oder vielleicht kreieren wir Drama, da es nicht genug aufregende Momente in unserem Leben gibt. Wenn du dich immer wieder in Konfliktsituationen befindest, frage dich, was du aus diesen Situationen ziehst. Sehe, ob sich deine Beziehungs- und Streitmuster von einer Beziehung in die nächste ziehen. Versuche herauszufinden, welches tiefere Bedürfnis du mit Streit erfüllst.

Um was bitte ich in Wirklichkeit?

Je klarer du dein Bedürfnis formulierst und ausdrückst, desto eher wird es auch erfüllt werden. Seine Bedürfnisse klar auszusprechen, fordert die Bereitschaft, sich verwundbar zu zeigen. Es besteht immer die Möglichkeit, ein „Nein“ zu kassieren. Bevor zu versuchst, jemanden klar zu machen, wie du dich fühlst, versuche einfach zu sagen: „Kannst du mich bitte umarmen.“ Bevor zu deinen Partner an den Kopf wirfst, dass er keine Zeit für dich hat, versuche es mit: „Können wir uns morgen zum Mittagessen treffen?“. Klare und deutliche Aussagen verbessern deine Chancen, das zu bekommen, was du eigentlich möchtest.

Wie kann ich mit Wutausbrüchen umgehen?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die besten Kommunikationsfähigkeiten nicht vor Wutausbrüchen schützen. Selbst mit einem Universitätsabschluss in interpersoneller Kommunikation finde ich mich immer wieder in einer Situation, in der ich die Wut förmlich in mir hochkochen fühle. Es ist ganz normal, dass wir Menschen ab und an die Ruhe verlieren und dem Ärger verfallen. Die Emotionen einfach runterzuschlucken und nicht zu verdauen, wäre allerdings so gesund wie unverdautes Essen in unseren Eingeweiden, das vor sich hin gährt.

Es gibt sieben einfache Schritte, um diese negativen Emotionen aufzulösen und sich von ihnen zu befreien.

1. Übernehme Verantwortung: Schiebe die Schuld nicht auf jemand anderen. Wenn wir emotional auf eine andere Person reagieren, liegt das meistens daran, das uns diese Person einen Teil unserer selbst aufzeigt, denn wir nicht mögen. Anstatt zu reagieren, frage dich lieber: „ Was kann ich aufgrund dieser Erfahrung über mich selbst lernen?“

2. Benenne die Emotion: Definiere die Emotion, so klar wie möglich. Die Liste weiter oben kann dir dabei helfen.

3. Wo spürst du die Emotion: Emotionen sind Gefühle, die eine körperliche Reaktion auslösen. Bevor du die Emotion auflösen kannst, musst du herausfinden, wo sie sich in deinem Körper manifestiert hat. Wut fühlen wir häufig im Bauch. Angst im Herzen.

4. Definiere die Emotion: Schreibe für dich selbst genau auf, wie sich die Emotion anfühlt, ob sie mit alten Ereignissen verbunden ist und welches Bedürfnis nicht erfüllt wurde. Als Hilfe kannst du die fünf Fragen von oben verwenden.

5. Befreie dich von der Emotion: Da sich die Emotion körperlich festsetzt, ist körperliche Bewegung die beste Möglichkeit, sie wieder aus dem Körper schwinden zulassen. Tanze, gehe spazieren, schwimme, mache Yoga

6. Teile deine Emotion: Suche das Gespräch mit der Person, die in den Wutausbruch involviert war. Wenn du Punkt 1-5 durchgearbeitet hast, ist es nun möglich, deine Gefühle und Emotionen zu teilen, ganz ohne den anderen schuldig zu spreche oder Mitleid zu erwarten.

7. Belohne dich: Nachdem du dich von der Emotion befreit hast, belohne dich für die gute Arbeit. Gönn dir was: eine Massage, höre Musik oder gehe fein essen.

All diese Techniken sind natürlich nicht nur in der Beziehung in der Schwangerschaft hilfreich. Sie können in dieser Lebenssituation angewandt werden, um die Kommunikation zu verbessern und mit starken Emotionen klar zu kommen. Ich freue mich auf Erfahrungsberichte und Anregungen!

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